Ist der Mond noch neutral?
Episode 117
Ist der Mond noch neutral?
In den 1960er Jahren, mitten im Kalten Krieg, fand ein Wettlauf ins All zwischen den USA und der Sowjetunion statt. Die beiden Supermächte waren nicht nur an Forschung interessiert, sondern führten damals einen Wettbewerb um die Vorherrschaft im Weltraum. In diesem Kontext war die internationale Gemeinschaft besorgt darüber, dass die Nutzung des Weltraums zu einer Quelle von Konflikten zwischen den Staaten werden könnte. Es bestand auch die Sorge, dass es zu einer zunehmenden Militarisierung des Weltraums kommen würde. Aus diesen Gründen begannen die Vereinten Nationen, Gespräche über die Grundsätze für die Durchführung von Aktivitäten im Weltraum zu führen. Der Ausschuss für die friedliche Nutzung des Weltraums setzte sich aus Vertretern verschiedener Länder zusammen und wurde von Persönlichkeiten wie dem US-amerikanischen Astronauten und Senator John Glenn sowie dem sowjetischen Kosmonauten Alexei Leonow geleitet.
Der Weltraumvertrag wurde schließlich am 19. Dezember 1966 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet und trat am 10. Oktober 1967 in Kraft. Der Mondvertrag war dann später eine wichtige Ergänzung, da er spezifische Bestimmungen für die Durchführung von Aktivitäten auf dem Mond und anderen Himmelskörpern festlegte und die Grundsätze des Weltraumvertrags auf diese Aktivitäten ausdehnte. Der Mondvertrag wurde von vielen Nationen unterzeichnet und ratifiziert, darunter Russland, China, Indien und mehreren europäischen Ländern. Und es gab weitere Abkommen und Vereinbarungen, zum Beispiel rund um die Vermeidung von Umweltmüll. Ein Abkommen zur Rettung und Rückführung von Astronauten und Vereinbarungen zur Rückgabe von Weltraumgerät. Es gab eine breite Anerkennung unter den Staaten, dass das Völkerrecht auch im Weltraum gelten soll. Die USA ratifizierten die Vereinbarungen nicht und etablierten ein eigenes "Weltraumgesetz", das US-amerikanischen Unternehmen Sonderrechte einräumte und damit dem Prinzip der gemeinsamen Nutzung und Verwaltung der Ressourcen des Mondes und anderer Himmelskörper widersprach.
Heute sind wir wieder in einem Kalten Krieg und seit einigen Jahren stehen die Zeichen wieder auf einen Wettstreit im All. Für die neue Episode der Turtlezone Tiny Talks tauchen Oliver Schwartz und Dr. Michael Gebert in die Geschichte der Raumfahrt und den wirtschaftlichen und militärischen Interessen ein, die oft durch Projekte der angewandten Wissenschaft getarnt werden.